Hauptsache gestört – müssen wir alle zur Therapie? In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft mit hohem Leistungsdruck nehmen psychische Probleme zwangsläufig zu. Die drei Behandlungsmethoden, die in Deutschland von den Krankenkassen anerkannt werden – Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie – reagieren darauf, indem sie jeder psychischen Störung Krankheitswert zuweisen. So werden wir alle pathologisiert: Fress-, Nikotin-, Internetsucht, Burn-out und Depression – jedes Problem erscheint plötzlich therapiewürdig. Gleichzeitig steigt die Einnahme etwa von Antidepressiva beinahe um das Fünffache: Ein Volk wird für psychisch gestört erklärt und psychopharmakologisch angefüttert. Um einen Menschen psychotherapeutisch behandeln zu können, ist die moderne Richtlinientherapie gezwungen, ihn für krank zu erklären. Therapeuten müssen sich aufgrund der Gesetzeslage an Vorgehensweisen anpassen, die aus Industrie und Wissenschaft stammen. Diagnosen werden als fundiert, .. .