Wohl keine Oper des 17. Jahrhunderts ist so extrem wie „ Die Krönung der Poppea“; weder der Librettist Busenello, der sich bereits aus venezianischen Zirkeln zurückgezogen hatte, noch Monteverdi, der sich dem Ende seines Lebens näherte, hatten etwas zu verlieren. Obwohl elegant in Poesie gekleidet, hängt die vernichtende Kritik der Handlung am Austausch von Gegensätzen: Zynismus und Idealismus, Libertinage und Keuschheit, Opportunismus und Ehre. Diese Ironie spiegelt sich auch in der musikalischen Umsetzung Monteverdis wider, der ernste Situationen durch Tanzrhythmen der Lächerlichkeit preisgibt. David Aldens optisch opulente Inszenierung, die in einer an ein Schachbrett gemahnenden Kulisse stattfindet, konfrontiert uns mit den zeitlosen sozialen Übeln wie Narzissmus, Heuchelei, Grausamkeit und sexueller Besessenheit. Busenello, Monteverdi und Alden mahnen, dass eine Abwertung des Humanismus eine Geringschätzung für seine Anliegen mit sich bringt. Mit Sarah Connolly als Nero und Miah.. .