Dass Verdis letzte tragische Oper eine solche Faszination auf große Dirigenten und Sänger ausübt, kann nicht überraschen. Schließlich besticht die Partitur nicht nur durch intensive, dunkel glühende Orchesterfarben und einen unaufhaltsamen inneren Puls, sondern auch durch diverse harmonische Kunstgriffe, mit denen Verdi immer wieder für Überraschungen sorgt und seinen Zuhörern förmlich den Boden unter den Füßen wegzuziehen scheint. Bereits der letzte Salzburger Otello, der 1970 unter Karajan Premiere hatte, trug unverkennbar die Handschrift seines Dirigenten, und auch die Neuproduktion von 2008 war maßgeblich geprägt von Riccardo Muti am Pult der Wiener Philharmoniker. Die Premierenkritiken rückten denn auch die Leistungen des Dirigenten in den Mittelpunkt: Nach Meinung von La Republica zeigte er „ Otello in seiner ganzen Brutalität“, der Korrespondent der FAZ nannte Mutis Interpretation „schnittig, rasant, glatt und gewandt“, und Opera unterstrich „den fein austarierten.. .